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Ab nach Sibirien

Bericht einer Reise in die Gegenwart
Ab nach Sibirien
Autor:Cybalski, Manfred
ISBN:3825504623
Erscheinungsjahr:2004
Einbandart:Broschur
Auflage:1
Erscheinungsdatum:2004-05-31
Seitenzahl:134

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12,95 EUR* inkl. 7% MwSt.   


* Alle Preise inkl. MwSt.

Ab nach Sibirien

Manfred Cybalski berichtet über seine Erlebnisse, Begegnungen und Erfahrungen seiner mehrmonatigen Aufenthalte in Westsibirien. Dabei herausgekommen ist ein Feuerwerk an Unglaublichem, Komischem, Unbegreiflichem, Unfassbarem, Lustigem, Traurigem und Nachvollziehbarem über das tägliche Leben in einer sibirischen Schwerindustrieregion am Rande der Taiga.

Leseprobe: Glühlampen-Diebstähle Der überwiegende Teil der russischen Bevölkerung wohnt in sogenannten Plat-tenbauten, so wie wir sie auch aus vielen Städten Ostdeutschlands kennen. Diese Gebäude wurden seit den siebziger Jahren flächendeckend in der früheren Sowjetunion gebaut und verfügen zumeist über sieben bis dreizehn Etagen. Vom Treppenhaus aus geht es durch eine Tür in einen Vorraum, von dem man zwei bis vier Wohnungen erreicht. Da die Einbruchskriminalität in Russland in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat, hat jeder, der es sich irgendwie leisten kann, seine Wohnung mit Stahltüren abgesichert und auch die Treppenhaustür besteht zumeist aus diesem Material. Und immer noch wie zu sozialistischen Zeiten behandeln die Russen alles, was zu ihrem eigenen Wohnbereich gehört, äußerst pfleglich; aber die Treppenhäuser gleichen müllbeladenen Ruinen. Warum auch immer, aber überall in den Treppenhäusern wird erbrochen, geschissen und gepinkelt sowie alles, was verbraucht oder wertlos ist, abgeladen. Zu jedem Plattenbau gehört ein Aufzug; aber die Chancen, ihn benutzen zu können sind gering, da die Technik meistens nicht funktioniert. Und dementspre-chend gibt es im Treppenhaus immer ein ständiges Kommen und Gehen. An der Decke in jeder Etage sollte eine Glühlampe hängen, aber leider sind diese entweder defekt oder irgendwann einmal gestohlen und anschließend nicht mehr ersetzt worden. Sich bei Dunkelheit im Treppenhaus zu bewegen, ist dement-sprechend unangenehm oder sogar gefährlich. Hinzu kommt, dass die Ränder der Treppenstufen meistens ausgefranzt sind. Dieses liegt an der unzureichenden Betonqualität, wo nach dem Grundsatz „aus weniger mach mehr“ eben eine Schaufel Zement weniger und dafür eine Schüppe Sand mehr eingesetzt wird. Ich hatte mein Zimmer in der dritten Etage eines solchen Plattenbaus und im Erdgeschoss brannte eine Glühlampe – gegen Diebstahl abgesichert durch einen Drahtverhau unter der Decke. Und ich nahm mir vor, in meiner dritten Etage auch eine Lichtquelle anzubringen. Gewarnt durch die Wahrscheinlichkeit eines Glühbirnendiebstahls wollte ich auf eine Zermürbungstaktik gegenüber potentiellen Dieben setzen und kaufte im Magazin sofort zehn „Lamputschkis“. Abends in meiner kleinen Wohnung angekommen, trug ich einen Stuhl ins Treppenhaus und schraubte eine Glühlampe in die Fassung. Am nächsten Morgen beim Verlassen der Wohnung musste ich dann feststellen, dass jemand während der Nachtstunden meine Glühlampe geklaut hatte. Aber umgehend setzte ich eine neue Glühlampe in die Fassung und freute mich innerlich auf das Gesicht des Diebes, wenn ihn auf der dritten Etage eben keine Dunkelheit empfing. Als ich dann abends wieder ins Haus zurückkehrte, war meine Lamputschki leider wieder geklaut, aber ich verfügte ja noch über Reserven. Es kam eben nur darauf an, ob der Dieb oder ich den längeren Atem haben würde. Dieses Spielchen setzte sich dann noch vier weitere Tage fort. Aber am fünften Abend empfing mich gleißendes Licht auf meiner Etage. Ich fühlte mich als der Sieger. Am Morgen darauf war es leider wieder dunkel auf der Etage Nummer drei; aber diesmal war die Glühlampe nicht gestohlen worden, nein – der Glühfaden hatte seinen Geist nach nur einem Brenntag aufgegeben. Fix ersetzte ich die defekte Glühlampe und sah hoffnungsvoll den Abendstunden entgegen. Als ich auf das Haus zusteuerte, sah ich schon von weitem, dass die „Dritte“ in tiefem Dunkel lag. Aber wieder war der durchgebrannte Glühfaden Schuld an dem Malheur. Nun begriff ich auch langsam, dass der Dieb ja wohl ebenfalls keine helle Freun-de an seinem Diebesgut gefunden hatte. Da die geklauten Glühlampen wohl an ihrem neuen Einsatzort auch innerhalb weniger Stunden ihren Geist aufgegeben hatten, musste er ständig für Nachschub sorgen. Leicht resigniert schraubte ich dann in den folgenden Tagen die restlichen Glühlampen in die Fassung; aber dann war mein Vorrat aufgebraucht und die dritte Etage fiel wieder ins Dunkel zurück. Inzwischen hatte ich mir eine Taschenlampe besorgt und so bahnte ich mir von da an meinen Weg bis zu meiner Stahltür. Ich hatte verloren (...)

Wostok 3/2004: "Manfred Cybalski hat in seinem Buch in 21 Episoden Ausschnitte aus seinem Leben, das ihn beruflich nach Westsibirien verschlug, in leichter und unterhaltsamer Weise niedergeschrieben. Er berichtet anekdotenhaft vom Umgang mit russischen Behörden, von befremdlich wirkenden Alltagserlebnisse ... In jedem Fall aber ist es eine gute Lektüre für jeden, der sich einen lebendigeren Eindruck vom dortigen Leben verschaffen möchte." Leserrezension Amazon.de: "Der Autor schafft es, mit viel Mutterwitz dem Leser das Leben in Russland anschaulich zu schildern und die Warmherzigkeit, den Humor der Menschen dort und die unendliche Weiten der russichen Bürokratie mit einem kräftigen Augenzwinkern äußerst kurzweilig zu schildern. Einfach taschenbuchtauglich, weil Tränen gelacht werden. Nach dem Lesen möchte man sich in den nächsten Zug setzen und - ab nach Sibirien."

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